Richtfunktechnik

Richtfunktechnik

Einordnung und Grundlagen

Richtfunkgeräte waren meist die funktechnische Alternative von ansonsten drahtgebundenen Übertragungswegen, die von Post oder Behörden betrieben wurden. Hier gab es schon vor dem Einsatz der Richtfunktechnik die Bündelung mehrerer Fernsprechkanäle in Trägerfrequenzlinien mittels entsprechender TF-Geräte. Diese stammten von Firmen wie Siemens und AEG, in der DDR von Fernmeldewerken in Bautzen, Leipzig, Nordhausen und Greifswald. Das Zusammenwirken der TF- und der Richtfunkgeräte ist durch internationale Normung (CCIR bzw. CCITT) und/oder die betreffenden Pflichtenhefte festgelegt. Richtfunkgeräte aus Radeberg hatten nur im Ausnahmefall eigene TF-Geräte oder -Baugruppen, die auch in Radeberg hergestellt worden sind.
Die Signalebene an der Übergabestelle zwischen TF - Gerät und Richtfunkgerät ist das Basisband und die technischen Baugruppen im Richtfunkgerät, die diese analoge Frequenzebene bearbeiten, sind die Basisband-Baugruppen. Basisband ist auch die entsprechende Frequenzebene der Video- bzw. Tonübertragung bei Rundfunk- und Fernsehzubringern. Meist hört die Betrachtung eines analogen Richtfunkgerätes an der BB-Übergabestelle auf.
Es ist die Regel, dass Richtfunkstrecken Vierdrahtverbindungen realisieren, also gleichzeitige Übertragungswege in Hin- und Rückrichtung zur Verfügung stellen. Sende- und Empfangskanal verwenden unterschiedliche Frequenzen und werden jeweils mit anderer Polarisation (horizontal, vertikal) betrieben. Bei den meisten der hier betrachteten Systeme ermöglichen Antennenweichen den Einsatz einer Antenne für Senden und Empfangen. Funkfeldlängen liegen bei 50 km, Richtfunklinien können bis zu 2500 km lang sein.

Generationen der Richtfunktechnik

Man begann in Radeberg erst von den Generationen der Richtfunktechnik zu sprechen, als die dritte entwickelt wurde. Die erste Generation der mit Elektronenröhren bestückten Richtfunkgeräte reichte etwa bis 1975 und endete mit RVG 961. Gestellbauweise, Sender und Oszillatoren mit Scheibentrioden bzw. Wanderfeldröhren und Richtantennen mit Parabolspiegeln oder Hornparabolantennen kennzeichneten diese Gerätegeneration.
Die mit Halbleitern bestückte zweite Generation begann 1965 mit RVG 950. Der technische Höhepunkt der zweiten Generation war das Breitband-Einheitssystem, das durch ein Schmalband-Einheitssystem ergänzt wurde. Mit diesen Systemen hatte die Richtfunktechnik in Radeberg ihre größte Komplexität erreicht. Es wurde eine bedeutende Verminderung von Volumen und Energieaufnahme bei wesentlich gestiegener Zuverlässigkeit der Geräte erreicht und insbesondere unbemannter Betrieb der Anlagen ermöglicht.
Die dritte Generation der Richtfunktechnik hat noch weitere Akzente in Richtung auf die Senkung des Fertigungsaufwandes und die Einführung gänzlich neuer Technologien gesetzt. In der Entwicklung vollzog sich ab 1979 der Übergang von der analogen zur digitalen Übertragungstechnik. Frequenzmodulation wurde durch Pulscodemodulation abgelöst, Hohlleiter- durch koaxiale Technik in Sendern, Empfängern, Frequenzweichen und Antennenleitungen ersetzt, HF-Schaltungen wurden auf Keramik-Flachstrukturen realisiert, hierfür eine eigene Fertigungslinie aufgebaut und die Vertikalbauweise des BES rationell weiterentwickelt.

Richtfunk- und Nachrichtentechnik aus Radeberg

Quelle:fesararob.de

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